Die Taler reichten leider nicht für einen 80er Führerschein. So musste ich bis 17/18 warten um endlich mit dem richtigen Führerschein zu beginnen. Motorrad und Auto zeitgleich. Die Fahrschulmaschine war eine CM 400 T mit 27 PS. Softchopper hieß diese Kategorie seinerzeit und war ab Mitte der 80er sehr angesagt. Das waren Schulterpolster und schmale Krawatten aus Leder aber auch.
Zu meiner Zeit gab es noch den Stufenführerschein mit erst 27 PS und nach 2 Jahren den offenen. Die "Großen" Motorräder hatten seinerzeit max 100 PS. Um die 500 ccm und 50 PS Maschinen waren schon ausgewachsene Motorräder.
Die 27 PS waren für mich gleichsam eine Offenbarung. Das erste mal auf der Landstraße etwas Gas gegeben und gefühlt wurden einen die noch nicht vorhanden Falten aus dem Gesicht gezogen. An die erste Schnappatmung beim öffnen des Visiers bei voller Fahrt erinnere ich mich auch noch sehr gerne.
Endlich hatte ich meinen Lappen, das schmale Budget reichte nur für ein Fahrzeug und so kaufte ich mein erstes Motorrad. Eine GSX 250 EZ Katana BJ 82. Schnuckelige 17 PS aus zwei Zylindern hatte das Fahrzeug bei 250 ccm und fahrfertigen 189 kg. Zugegebenermaßen mit diesen Daten ein eher stumpfes Schwert
Krauser Kofferträger mit Koffern machten das Gefährt Reisetauglich. Es war mein treuer Begleiter für eine lange Zeit und ca. 80000 km legte ich mit dem Töff zurück. Taler waren knapp und zwischen zeitig wurden die Ressourcen anderweitig gebraucht, so dass nicht anderes erschwinglich wurde.
Der Original Auspuff hatte einen Sammler welcher mit Chromblenden verdeckt wurde. Der Zylinderkopf war "TSCC" (Twin-Swirl Combustion Chamber) design, was reißerisch an den Kurbelwellengehäuse prangte.Das Sahnehäubchen war die "Anti Dive" Gabel d.h. auf der Seite mit der Bremsscheibe war die Bremsleitung mit der Telegabel verbunden welche einen Kolben betätigte um so, zumindest Theoretisch, die Gabel auch in Extremsituationen noch funktionsfähig zu machen. So ein Firlefanz war seinerzeit State of the Art.
>Irgendwann musste der Auspuff ausgetauscht werden und ich besorgte mir eine Jama Ersatzauspuffanlage mit EWG ABE. Zitat eines Freundes, wenn dein Moped so schnell laufen würde wie es krach macht wäre es uneinholbar. Oder kurz: viel Lärm um nix. :) An diesem Motorrad gab es wenig auszusetzen, außer das 17 PS wirklich nicht die Wurst vom Brot reißen. Gerade mit 2 Personen und Gepäck ist es eher die Entdeckung der Langsamkeit. Jede noch so kleine Steigung wird zur Herausforderung und Gegenwind lässt einen emsig im 6-Gang Getriebe wühlen. Wartungsfreundlich war es aber, Ventilsteuerung über Schlepphebel, 4 Ventile pro Zylinder (das x machte den Unterschied) und ein insgesamt unkaputtbarer Motor.
Regler, korrodierte Kontakte, defekte Zündspulen und permanente Korrosionsspuren sind da eher typische Probleme seiner Zeit gewesen.
Nicht umsonst hatten einige Japanische Motorräder damals™ den Ruf bereits auf dem Prospekt zu rosten.
Irgendwann 200X hatte ich die Nase voll und etwas neues zweirädriges musste her. XJ 600 Diversion BJ 92 ist es geworden. Budget war knapp, die jungen Ressourcenfresser waren noch im Wachstum.
Die Diva ist ein sehr unkompliziertes Motorrad. Standardmäßig ist die Feder für meinen Geschmack vorne zu weich, also progressive Federn rein und anderes Öl drauf. Die Scheibe war etwas zu flach, also eine aus dem Zubehör dran. Neue Reifen brauchte sie auch, kein Problem, gab ja doch eine Reifenfreigabe. Schon war es perfekt. Nur nicht für mich
Wenn ich beim Kauf das kleingedruckte richtig gelesen hätte wäre mir aufgefallen, dass es eine Schweizer 4DG und keine Deutsche 4BR war. Die Teile hatte ABE für eine XJ600 4BR, also nicht für mich. Erste Erkenntnis Deutschland ist geteilt. Die Dekra darf nicht in Westdeutschland Einzelabnahmen machen und die zweite, der TÜV bei mir vor Ort, seinerzeit in Lüneburg, hatte keine Lust sich damit auseinander zu setzen. Erst in Hamburg-Harburg habe ich einen TÜV Prüfer gefunden welcher die Sache tiefenentspannt gesehen hat und nur mein Geld wollte.
Mit 600 ccm und 63 PS war es ein ausgewachsenes Motorrad. Mit 2 Leuten nach Usedom + Gepäck und Zelt, kein Problem. Die ölgewärmten Vergaser gönnten sich dann aber eine gehörige Portion der oberen Fraktion eines Erdöldestillates --> eine Diva halt.
Das Motorrad habe ich sehr gemocht, man durfte es nur nicht länger als eine Woche unbenutzt stehen lassen. Die Unterdruckbenzinpumpe war wahrlich zickig und quittierte den vermeintlichen Liebesentzug mit Verweigerung der Arbeit.
Die Technik war einfach nur unkompliziert! Oben liegende Nockenwellen mit Shims welche sich ohne ausbau der Nockenwelle wechseln ließen. --> Toll.
Die Ölheizung der Vergaser und die schon erwähnte Unterdruckbenzinpumpe machten das Gefährt - sagen wir mal - Interessant.
Durch widrige Geschicke war es aber 2011 besser, dass Diva und ich getrennte Wege gehen. Aber das folgt in Teil 2

