Es war gefühlt auch einfach zu weit weg.
Bis eines Tages bei der abonnierten Motorrad Zeitung eine DVD "Abenteuer Nordamerika" von Motorradreisender Erik Peters mit im Briefkasten lag. Diese hat mich so überzeugt, dass ich mir auch die anderen Blue-Rays dieses Motorradreisenden kaufte. - unter anderem "Highlands & Islands". Damit wurden meine Partnerin und ich mit dem Schottland-Virus befallen.
Dieser Film ist so liebevoll arrangiert, informativ, hat sehr tolle Streckenempfehlungen und ist mit unzähligen praktischen Tipps versehen, so dass meine Frau und mir klar war - da müssen wir auch hin. Meine bessere Hälfte und ich sind nun nach unseren Motorradurlauben dort 2017 und 2018 schwer in Schottland verliebt. Deshalb: Vielen Dank Erik Peters!
Schottland ist aus Nordwestdeutschland leichter zu erreichen als die Seealpen oder Norwegen. In bummeligen 3,5 h ist man von Oldenburg am Hafen von Ijmuiden angekommen, von wo aus eine DFDS Fähre nach Newcastle Upon Tyne fährt.
Nachmittags gegen 17 Uhr legt die Fähre ab und am nächsten Morgen gegen 9 Uhr Ortszeit ist man in Newcastle. Kostenpunkt für 2 Personen und 2 Motorräder in der Woche für die hin und Rückfahrt mit einer Aussenkabine lag Mai 2018 bei ungefähr 500 €. Wenn die Fähre über den ADAC gebucht wird, gibt es auch noch einen Rabatt.
Wenn man noch etwas weiter Richtung Rotterdam möchte kann man auch die Fähre nach Hull nehmen. Je nach belieben.
Leider hat der BREXIT die Urlaubsplanung für 2019 etwas unsicher gemacht, so dass wir erstmal abwarten, ob und wie die Einigung zwischen der EU und GB aussieht. Geplant ist 2020 dieser schönen Gegend wieder einen Besuch abzustatten.
Hier allgemeine Informationen:
Fähre:
Frühes Erscheinen sichert nicht unbedingt die besten Plätze. 2017 waren wir aufgrund von Vorfreude und Aufregung sehr früh dort und mit als erster auf der Fähre. Auf Seitengängensackgassen hatten wir die Motorräder abstellen dürfen. Eher unschön, da wir in Newcastle Rückwärts daraus rollen mussten.

Aber den Fehler machten wir nur einmal. Danach fuhren wir im gepflegten Mittelfed auf die Fähre, man muss auch manchmal anderen den Vortritt lassen.
Das Sichern der Moppeds ist recht unproblematisch. Spanngurte wurden in ausreichender Zahl gestellt. Wenn man Sorge um den Lack hat, empfiehlt es sich alte Handtücher mitzunehmen. Um nicht das gesamte Geraffel mit schleppen zu müssen haben wir eine kleine Tasche mit dem Notwendigsten gepackt, so dass die Packtaschen am Moped blieben.

Sprache:
Mit unserem Schulenglisch/Fachenglisch sind wir sehr gut klar gekommen. Lediglich beim Tanken in Newcastle dachten wir vorübergehend, dass wir verhungern müssten, da wir den jungen Mann an der Kasse nur zu ungefähr 5 % verstanden haben. In Schottland selber sind die Menschen so überaus freundlich sich sprachlich anzupassen, so dass die Verständigung sehr flüssig verläuft.
Verkehr:
Das Fahren in Schottland ist einfach nur tiefenentspannt. Der Linksverkehr stellte sich als unproblematisch heraus. Lediglich auf Parkplätzen stellte sich gelegentlich der Rechtsfahrautomatismus ein. Nach 3 Wochen allerdings muss man sich wieder auf das europäische Festland umstellen, da Rechtsfahren einem plötzlich komisch vorkommt. Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen sind 60 mph und in Ortschaften 30 mph. Da das Motorrad meiner besseren Hälfte einen nativen Meilentacho besitzt und meine damalige gelbe Hummel einen umstellbaren Digitaltacho hat, stellte mph keine Probleme dar.
Typisch sind gerade in ländlichen Gegenden Single Tracks Roads mit Passing Places. Gegenseitige Rücksicht ist dort besonders wichtig. Durch Unachtsamkeit wurde es hier manchmal etwas eng. Ansonsten kann man recht entspannt dort lang rollen. Das Wort "Potthole" --> Schlagloch lernt man auch recht fix.
Essen:
Kulinarisch wird Schottland unterschätzt. Haggis ist zwar nicht Jedermans Geschmack (Andrea und ich mögen es), die Küche bietet aber auch für jeden etwas. Egal ob Vegetarisch, Glutenfrei, Lactosefrei etc .... Die Deklaration in den Supermärkten gefiel mir sogar besser als in Deutschland. Egal ob im Imbiss, Restaurant oder Supermarkt, leckere Sachen waren immer zu finden. Von dem deftig kräftig full Scottish Breakfast sind wir auch voll begeistert.
Wetter:
Wir waren im Mai unterwegs, welcher Monat statistisch gesehen als regenarm gilt. In Oldenburg (Oldg) wohnhaft, stellt man eh wettertechnisch keine allzu großen Ansprüche. 2017 hatte wir in Schottland die trockenste Zeit des Jahres gehabt.