Freitag, 26. April 2019

Motorrad fahren in Schottland - Tipps zwischen Newcastle und Edinburgh

Bevor man in Schottland Motorrad fahren kann, muss man erst einmal dahin.
Klingt banal, ist es auch.


Wir hatten das Vereinigte Königreich über Newcastle upon Tyne erreicht. Unser nächster Stopp war in Edinburgh geplant. Einfach die A 68 oder A 1 folgen, um dort hin zu kommen, erschien uns als zu langweilig. 
Also versuchten wir die Anfahrt spannender zu gestalten. Hier sind unserer Highlights auf dem Weg dorthin.

Bamburgh Castle / Holy Island Lindisfarne


Als Sympathisant der Bücher von Bernard Cornwell und seiner "Uhtred-Saga" (gibt es auch auf Netflix "The Last Kingdom") bot es sich an, der Bamburgh eine kurze Visite abzustatten. Diese Burg war mal im 6-7. Jahrhundert Hauptsitz des Königreiches Bernicia und später von Northumbria, dem heutigen Northumberland. Also ein geschichtsträchtiger Ort, welchen wir uns zumindest von außen einmal anschauen wollten. Wie die Burg dort auf der Anhöhe thront ist schon schick anzusehen. Natürlich kann die Burg auch besichtigt werden. Näheres findet ihr hier.




Da wir auf kleinsten Straßen weiter wollen und mit unseren Packtaschen nicht so die Muße hatten, beließen wir es bei einem schnellen Blick, bevor wir der Holy Island of Lindisfarne einen Besuch abstatten. 

Hier machte sich mangelnde Vorbereitung meinerseits bemerkbar. Der Name Insel legt den Verdacht rech nahe, das Ding liegt im Meer. Dort, wo 664-676 der spätere Heilige Cuthberg Abt in dem gleichnamigen Kloster war und im Jahre 793 räuberische Wikinger dieses fast vollständig zerstörten, führt keine Brücke und keine Fähre hin. Diesen umstand hatte ich in Maps etwas anders gedeutet, aber das Glück war uns hold und wir hatten Ebbe.

Das macht für mich auch den Reiz dieser Strecke aus. Wann kann man sonst sogar mit einem Sporttourer durch das Meer fahren. Für Kulturbefliessene gibt es auch ein Museum. Für einen Besuch sollte man Folgendes machen a: Zeit einplanen und b: den Tidekalender berücksichtigen. Da wir beides nicht gemacht hatten, müssen wir den Besuch dort nachholen.





Lammermuir Hills / Laterne Rouge


Südlich der Region Lothian liegt eine Hügelkette, welche eine sehr schöne Einstimmung auf die schottischen Highlands sind.
Der Name leitet sich wohl vom englischen "lambs moor" ab. Bei der Anzahl der vielen Schafe, die hier rumlungern, passt es sehr gut.
Es macht einfach nur Spaß, die Single track road lang zu bummeln.
Nach den schönen Hills erreicht man den kleinen Ort Gifford. Hier wartet ein weiteres Highlight.
Das Teehaus/Cafe Laterne Rouge ist ein echtes Juwel. Zweiräder (eher Fahrräder, daher auch der Name ;) ) sind dort herzlich Willkommen.
Lecker Gebäck und Heißgetränke werden in einem schnuckeligen 60er Jahre Ambiente serviert. Einfach nur "Lovely"
Adresse: Laterne Rouge, 1 Main St, Gifford, Haddington EH41 4QH, Vereinigtes Königreich







Hier ein kleines Video zu der Tour. Viel Spaß!






Samstag, 20. April 2019

Motorradfahrern in Schottland - Prolog

In Zeiten von Instagram und Youtube kann die Realität nur halb so schön sein wie die Hochglanzbilder, welche im Internet präsentiert werden. In diversen Foren und Filmen hypt Schottland und an Touren-Empfehlungen mangelt es nicht.
Wir sind auch diversen Tipps aus dem Netz gefolgt. Manches entpuppte sich als grandios. Mitunter stellten wir für uns selber fest, dass dies nicht unsere Highlights sind.
Gerade auch auf Instagram wird die Insel Skye in den schönsten Farben und so überstylisiert dargestellt, dass man real vor Ort nur schmunzeln kann, wie die Bildbearbeitung und das perfekte Arragement funktioniert.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Abstecher zum Wasserfall bei Kilt Rock auf der Insel Skye. Wenn man diese Sehenswürdigkeit in der Suchmaschine eingibt, landet man auf diversen Seiten, wo dieser Wasserfall als Top-Ten-Spektakel gilt.
Eine grandiose Strecke vorbei am Old Man of Storre in einer menschenleeren Gegend, welcher mit einem Besuch des Kilt Rock Wasserfalles komplettiert wird. So liest es sich in der Beschreibung zu diesem Ort.

Wir sind dort an einem Nachmittag im Wonnemonat Mai von Portree aus hingefahren. Die Landschaft an sich ist wirklich atemberaubend, jedoch die vielen anderen Menschen, welche auch die Einsamkeit der Insel Skye suchen und hier wild in der Gegend wuseln und längs der Straße laufen, machen das Fahren etwas nervig. So tingeln wir langsam zu dem Kilt Rock.

 Zwei Reisebusse zwängten sich bereits auf dem kleinen Parkplatz. Bei dem Freestyle-Wolkenformationsparken konnte man seine Abenteuerlust freien Lauf lassen.
Auf dem Vorplatz des Besichtigungspunktes spielte ein Duddelsackspieler um die Gunst und das Geld der Anwesenden. Diese waren eigentlich nur damit beschäftigt, einen Platz an vorderster Front der Absperrung zu ergattern, um das ideale "klassische" Photo zu schießen.

Viepoint

Während ich mit meiner Sprint RS noch am Rangieren war, kam ein Berliner Motorradfahrer an und keilte mich erstmal gezielt ein. Mit einem selbstgefälligen Grinsen nahm er den Helm vom Kopf und zwang uns ein Gespräch auf. "Links oder Rechts" war die Frage, die er uns sofort stellte*. Wir verstanden nur Bahnhof und wollten auf unverfänglichen Smalltalk wechseln. Aber er ließ nicht locker und erzählte, wo er  hier schon überall war. Gedanken wie "steck dir doch den Finger in den Po" schossen mir allmählich durch den Kopf, aber darauf hätte er wahrscheinlich auch nur mit "war ich schon" geantwortet. Seinen Kompagnons waren wir relativ egal, sie wollten anscheinend nur den Besuchspunkt abhaken. Der Berliner hatte aber sein Kontingent an Worten noch nicht verbraucht und lies seiner Profillierungsneurose freien Lauf.......

In einem günstigen Moment stürzten wir Hals über Kopf am Duddelsackspieler vorbei und schauten an der Reihe der Photographier-Willigen längs den Wasserfall an und beschlossen, das Weite zu suchen.

Wie wir am nächsten Tag feststellten, ist es um 8:30 Uhr nur unwesentlich anders. Real vor Ort ist der Wasserfall ganz nett, aber vom Hocker hat er uns nicht gerissen und auch eine Flucht zu dem Quiraing Viewpoint war, ob der vielen anderen Touristen, welche den gesammten Berg in Beschlag genommen hatten, eher ernüchternd als wirklich schön.
Da waren andere Stellen, welche wir eher durch Zufall gefunden haben, dagegen wahre Perlen. Über die werde ich in den nächsten Wochen lose berichten. Von den klassischen Highlights gibt es schon genug Material im www.

* Nach kleiner Recherche ergab sich folgende Erkenntnis: Links oder rechts bezog sich auf die North Coast 500 kurz NC 500. Das ist eine Ferienstraße, welche zumindest 2018 sehr stark touristisch vermarktet wurde. Es herrscht eine rege Diskussion in verschiedenen Foren darüber, ob man sie mit dem Uhrzeigersinn oder entgegen fahren sollte.