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Samstag, 20. April 2019

Motorradfahrern in Schottland - Prolog

In Zeiten von Instagram und Youtube kann die Realität nur halb so schön sein wie die Hochglanzbilder, welche im Internet präsentiert werden. In diversen Foren und Filmen hypt Schottland und an Touren-Empfehlungen mangelt es nicht.
Wir sind auch diversen Tipps aus dem Netz gefolgt. Manches entpuppte sich als grandios. Mitunter stellten wir für uns selber fest, dass dies nicht unsere Highlights sind.
Gerade auch auf Instagram wird die Insel Skye in den schönsten Farben und so überstylisiert dargestellt, dass man real vor Ort nur schmunzeln kann, wie die Bildbearbeitung und das perfekte Arragement funktioniert.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Abstecher zum Wasserfall bei Kilt Rock auf der Insel Skye. Wenn man diese Sehenswürdigkeit in der Suchmaschine eingibt, landet man auf diversen Seiten, wo dieser Wasserfall als Top-Ten-Spektakel gilt.
Eine grandiose Strecke vorbei am Old Man of Storre in einer menschenleeren Gegend, welcher mit einem Besuch des Kilt Rock Wasserfalles komplettiert wird. So liest es sich in der Beschreibung zu diesem Ort.

Wir sind dort an einem Nachmittag im Wonnemonat Mai von Portree aus hingefahren. Die Landschaft an sich ist wirklich atemberaubend, jedoch die vielen anderen Menschen, welche auch die Einsamkeit der Insel Skye suchen und hier wild in der Gegend wuseln und längs der Straße laufen, machen das Fahren etwas nervig. So tingeln wir langsam zu dem Kilt Rock.

 Zwei Reisebusse zwängten sich bereits auf dem kleinen Parkplatz. Bei dem Freestyle-Wolkenformationsparken konnte man seine Abenteuerlust freien Lauf lassen.
Auf dem Vorplatz des Besichtigungspunktes spielte ein Duddelsackspieler um die Gunst und das Geld der Anwesenden. Diese waren eigentlich nur damit beschäftigt, einen Platz an vorderster Front der Absperrung zu ergattern, um das ideale "klassische" Photo zu schießen.

Viepoint

Während ich mit meiner Sprint RS noch am Rangieren war, kam ein Berliner Motorradfahrer an und keilte mich erstmal gezielt ein. Mit einem selbstgefälligen Grinsen nahm er den Helm vom Kopf und zwang uns ein Gespräch auf. "Links oder Rechts" war die Frage, die er uns sofort stellte*. Wir verstanden nur Bahnhof und wollten auf unverfänglichen Smalltalk wechseln. Aber er ließ nicht locker und erzählte, wo er  hier schon überall war. Gedanken wie "steck dir doch den Finger in den Po" schossen mir allmählich durch den Kopf, aber darauf hätte er wahrscheinlich auch nur mit "war ich schon" geantwortet. Seinen Kompagnons waren wir relativ egal, sie wollten anscheinend nur den Besuchspunkt abhaken. Der Berliner hatte aber sein Kontingent an Worten noch nicht verbraucht und lies seiner Profillierungsneurose freien Lauf.......

In einem günstigen Moment stürzten wir Hals über Kopf am Duddelsackspieler vorbei und schauten an der Reihe der Photographier-Willigen längs den Wasserfall an und beschlossen, das Weite zu suchen.

Wie wir am nächsten Tag feststellten, ist es um 8:30 Uhr nur unwesentlich anders. Real vor Ort ist der Wasserfall ganz nett, aber vom Hocker hat er uns nicht gerissen und auch eine Flucht zu dem Quiraing Viewpoint war, ob der vielen anderen Touristen, welche den gesammten Berg in Beschlag genommen hatten, eher ernüchternd als wirklich schön.
Da waren andere Stellen, welche wir eher durch Zufall gefunden haben, dagegen wahre Perlen. Über die werde ich in den nächsten Wochen lose berichten. Von den klassischen Highlights gibt es schon genug Material im www.

* Nach kleiner Recherche ergab sich folgende Erkenntnis: Links oder rechts bezog sich auf die North Coast 500 kurz NC 500. Das ist eine Ferienstraße, welche zumindest 2018 sehr stark touristisch vermarktet wurde. Es herrscht eine rege Diskussion in verschiedenen Foren darüber, ob man sie mit dem Uhrzeigersinn oder entgegen fahren sollte. 

Samstag, 1. Dezember 2018

Meine Motorräder - Blick zurück Teil 2

Nach einem rührseligen Rückblick in die Jugend, nun der Teil auf der suche nach dem passenden Motorrad. Für jeden Deckel gibt es einen Topf - und diesen suchte ich nun für mich.
Nachdem meine Diva XJ 600 Diversion ihrem Namen immer mehr gerecht wurde und ein schlechter Mensch mir Zucker [1] in den Tank kippte, war es an der Zeit, dass wir getrennte Wege gehen.
BMW Boxer sind sehr hoch im Kurs, können also nicht so schlecht sein. So kaufte ich mir eine BMW R1150R aus dem Jahre 2002.
Rein optisch ein wirklich schönes Motorrad und die Sitzposition aus damaliger Sicht war nahezu perfekt zum Steuern eines Motorrades.
Die Eckdaten der R1150R lesen sich auch sehr gut, 85 PS aus 1130 ccm Hubraum verteilt auf zwei Zylindern, hohe Scheibe, Kofferträger, großer Tank mit einer schönen Reichweite.
In der Deutschen Presse werden Lobeshymnen über den Boxer gesungen. Zuverlässigkeit, Drehmomentstark, Paralever, Telelever  etc...
Von den Fahreigenschaften ist das Motorrad auch sehr gut und macht eine Menge Spaß - nur bin ich inkompatibel dazu.
Mir haben ca 20000 km die Erkenntnis gebracht, dass das Boxerkonzept mit den gegenläufigen Kolben das wahrlich unorthodoxeste ist, was ich bislang gefahren hatte. Es scheint ebenso zeitig überholt zu sein wie die Desmodromik, welche erfunden wurde als Ventilfedern noch zum Brechen neigten. Beiden umweht somit der Hauch von Säbelzahntiger-Pipi. 

Das ABS mit dem Hydromodul machte das Bremsen sehr binär, in der Praxis war das sehr störend.
Der Klassiker war auch das Konstantfahrruckeln (nur eine Zündkerze pro Zylinder). Dieses war besonders schlimm als ich zur Abwechslung mal eine Wartung beim Freundlichen machen ließ. Erst als ich zwei Wochen nach der Wartung NGK Iridium Kerzen reinschraubte und die Drosselklappen neu synchronisierte, war es annähernd ok.
Beim herausbeschleunigen aus einer Kurve verhärtete die Paraleverwelle und die Federung war dann etwas suboptimal.
Nervig war auch das zeitweilige Steuerkettenklappern, welches aus der hydraulischen Untersützung des Öls resultierte, das bei niedriger Drehzahl halt etwas kraftlos war.
Wartungsfreundlich war das Motorrad schon, aber weil es so einfach ging, musste man auch oft ran. Ventileinstellen, Synchronisieren etc.
So kam ich zum Schluss, der Deckel passt mir nicht.
Eine Triumph Sprint RS 955 i lachte mich an. Sie war die eigentlich eher zweite Wahl, da ich ein Auge auf die Honda Fire Storm geworfen hatte. Diese erschien mir von den Eckdaten doch zu unvernünftig.
Die Sprint RS BJ 2000, hatte 98 PS, Dreizylindermotor, 955 cc und war quietsche gelb. Nun sagte ein Freund, gelb sei die Farbe von Geschlechtskrankheiten. Woher er diese Erfahrung hatte wollt ich aus Diskretionsgründen nicht fragen. Meine Tochter fand die Farbe toll, ihrer Meinung sah die Warnweste die ich trug nicht mehr ganz so bekloppt auf diesem Motorrad aus. Kinder - sie geben einen ja so viel.
Der Motor ist ein Traum. Er hat eine gleichmäßige Leistungsentfaltung, welche andere als langweilig empfinden mögen, mir aber sehr gut gefällt.
Sprint RS
Bei diversen Bastelstunden konnte ich das Motorrad sehr intensiv kennen und schätzen lernen. An sich ein eigentlich ziemlich perfektes Motorrad für mich. Wenn das "eigentlich" nicht wäre.
Durch die supersportliche Sitzposition wird langsam fahren zum Kraftakt. Es ist fast schon mehr ein Liegen als Sitzen auf diesem Motorrad. Unter 80 km/h bekommt man schnell Popeye-Arme.
Ein Freund war darüber sehr erstaunt und meinte, dass selbst seine Honda Fireblade nicht so eine sportliche Sitzposition hat
Zwei Reisen mit diesem Gefährt nach Schottland zeigten mir schnell, dass ich entweder zu alt oder zu unsportlich dafür bin. Das fehlende ABS hat mir in der einen oder anderen Situation auch Angstschweiß auf die Stirn getrieben.
So musste ich schweren Herzens einsehen, auch dieser Deckel passte nicht ganz. 
Das Beste aus R1150R und Sprint RS sollte es sein......so kaufte ich mir ein Motorrad welches ich eigentlich nie, nie, nie, never ever haben wollte. Eine Reiseenduro! --> Triumph Tiger 800 XCX.

Fußnote:
[1] Zucker löst sich nicht in Benzin! Außer einem verstopften Benzinhahnfilter und dem Filter vor dem Vergaser war nichts. Anders sieht es aus, wenn Wasser mit ins Spiel kommt (Kondenswasser, E10, Limo anstelle kristallinen Zuckers).