Da der Februar immer etwas unsicher bezüglich des Wetters ist, wollten wir es auch nicht übertreiben und zum anderen sind wir Anfang des Jahres meist noch nicht in Bestform.
Ausgangspunkt ist der Parkplatz neben dem Romkerhaller Wasserfall. Es ist am heutigen Montag morgen noch recht frostig und so sind wir doch froh unsere Winterjacken an zu haben.
Schräg gegenüber dem Parkplatz liegt ein Gastronomiebetrieb, welcher werbewirksam irgendwas mit Königreich auf seiner Fassade gepinselt hat. Uns steht aber nicht der Sinn zum einkehren und so nehmen wir links neben dem Wasserfall den Einstieg in die Wanderroute.
Recht steil kraxelt man den schmalen Pfad entlang um kurz danach oberhalb des Wasserfalles zu stehen.
Von der Sonne beschienen und ob der mehr als 60 Höhenmeter wandert der Reißverschluss der Jacke langsam nach unten. Die Sonne hat doch schon viel Kraft. Im Schatten ist es aber noch recht kühl und das ein oder andere Schneefeld ist auch noch zu sehen.

Der Romkerhaller Wasserfall ist der höchste Kunstwasserfall im Harz. So um 1863 hat man Teile der kleinen Romke über die felsige Flanke des Okertals geleitet um so eine weitere Attraktion neben dem zur gleichen Zeit gebauten Gastronomiebetrieb zu haben. Irgendwie etwas Beschiss, aber zumindest einer, der hübsch anzusehen ist.
Benannt ist der Fluss nach dem Gipfel Kleiner Romke, an dem er entspringt.
Den namensgebenden Berg links liegen lassend geht es weiter recht kräftig aufwärts zu der Feigenbaumklippe. Spätestens nach diesem Weg zeigt das Deo erste Ermüdungserscheinungen und wir selber verfluchen jeden Schokoriegel, der sich über Weihnachten um die Bauchgegend geschlichen hat. Aber wir können zumindest sagen, auch heute wirkt die Schwerkraft.

Die Feigenbaumklippe ist über einen felsigen Aufstieg oder einer leichten Passage erreichbar. Da wir noch ausgeruht sind, wollen wir die Klippen umrunden.
Da die anspruchsvollere Route im Schatten der Klippe liegt, haben wir mit etwas Eis zu kämpfen. Den einen oder anderen unschmeichelhaften Tiernamen höre ich aus dem Hintergrund den Mund meiner Frau verlassen. Aber bevor die Tiere richtig groß werden, können wir wieder sicheres Terrain betreten. Die Klippen sind definitiv das erste Highlight. Über einen schmalen Steg erreichen wir die Aussichtskanzel. Bei +14 °C im Sonnenschein und dieser grandiosen Aussicht kann es einem wahrlich schlechter gehen.

Den sanften Weg herunter gehend kommt nun die "Mausefalle". Hilti Dübel, Patex, Dopellseitiges Klebeband oder Gewohnheit, irgendwas wird das Ding schon zusammenhalten. Spannend ist auch, dass dieser Felsen ein offizieller Kletterfelsen des Deutschen Alpenvereins ist. Die Gesteinsform kommt durch die Wollsackverwitterung zustande, welche im Harz häufiger anzutreffen ist.
Dort herumkraxeln ist nichts für mich und so genieße ich einfach nur den Anblick und knipse mit der Kamera ein wenig herum.

Nun geht es weiter an der Habichtsklippe vorbei zur Hexenküche, welche ich ob des spektakulären Namens etwas unspektakulär empfinde. Was diese Felsformation mit einer Küche zu tun hat erschließt sich mir nicht. Aber vielleicht fehlt mir auch nur etwas Fantasie.
Von dort kann man aber einen kleinen Abstecher zum Mönch machen. Die wenigen hundert Meter lohnen sich definitiv. Das sanfte Licht der Februar-Sonne zaubert wunderbare Lichtspiele in dem Wald. Ein kleiner Sturmschaden an einer Überlandleitung zeigt aber recht deutlich, der Harz kann auch anders. Bei Unwetter möchte ich hier nicht umherstapfen.

Nach kurzer Strecke kommt man dann zum Kästehaus, eine Gaststätte die seit Mitte 2018 leider außer Betrieb ist. Ob und wann sie wieder öffnet, steht wohl nicht fest. Sehr schade, da der Ort zum Verweilen einlädt. Dieser Ort hat sogar eine Bushaltestelle welche hier oben doch etwas kurios wirkt
Dieser Punkt markiert auch die höchste Stelle unserer Wanderung. Wir hatten unheimliches Glück von dort einen Blick auf den ca. 12 km Luftlinie entfernten Brocken zu erhaschen. Statistisch gesehen liegt der Brocken um die 300 Tage im Jahr in Nebel. Heute aber mal nicht. Zeit das Teleobjektiv heraus zu holen um später festzustellen, dass ich es hätte putzen müssen. Das kommt auf die ToDo Liste für die nächste Schlecht-Wetterperiode.

So wanderten wir langsam abwärts und passierten inflationär diverse Steinhaufen mit abenteuerlichen Namen wie Teufelsklippen, Studentenklippen und Ziegenrücken um nur einige zu nennen. Es stellt sich aber trotzdem noch keine Klippenmüdigkeit ein und jede noch so kleine Steinformation wird von mir, sehr zum Leidwesen meiner besseren Hälfte, fototechnisch gewürdigt. Zwischenzeitig kommen wir auch an Stellen vorbei, die aussehen als hätten hier Holzfällerwettbewerbe stattgefunden oder in Anspielung von "Der Herr der Ringe" die Horden Isengards gewütet.

Je tiefer wir kommen desto kühler wird es mitunter. Also wandert der Reißverschluß langsam wieder nach oben. Für Anfang Februar ist es aber erstaunlich mild. Spannend ist der schlagartige Wechsel zwischen warmen und kühleren Luftschichten, welche uns wie Wellen umfangen.
Immer weiter abwärts mäandernd kommen wir irgendwann an der B498 an. Dort interpretieren wir die Wanderschilder etwas falsch und können auf dem Garmin den Weg auch nicht so recht erkennen. So gehen wir etwas parallel an der Bundesstraße entlang.
Rechts lang um das eine Gebäude herum wäre der richtige und sicherlich auch schönere Weg gewesen. Das stellten wir aber auch erst später fest.
Egal, so finden wir 400 m weiter den Einstieg in das Okertal. Hier haben Steine wieder die Oberhand. Man hat aber auch einen guten Blick auf Teile des UNESCO-Welterbes Oberharzer Wasserwirtschaft, im speziellen dem Oker Aquädukt. Zusammen mit der malerischen Adlerklippe ist es in der Tat beeindruckend.
Warum man allerdings irgendein Adlerimitat auf den Felsen der Klippe gepappt hat, erschließt sich uns nicht wirklich. Das hat bestimmt irgendwas mit Marketing zu tun. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und so ignorieren wir das Ding einfach.

Auf- und abwärts wandern wir weiter durch das schöne Okertal. Erst jetzt stellt sich auch bei mir eine gewisse "Steinmüdigkeit" ein. Auch sehen wir nun andere Wanderer. Oben auf dem Berg hatten wir die Gegend noch für uns allein.
So ganz überraschend ist das aber für einen Montag Vormittag nicht.
Wir kommen an der Marienwand vorbei. Einen weiteren ausgewiesenen Kletterfelsen. Dieser ist nicht ganz unkritisch, sind dort bereits mehrere Bergsteiger*innen abgestürzt.
Heute war auch ein Kletterer an der Wand, wünschen wir ihm viel Spaß und das alles gut geht.

Die Verlobungsinsel mit der Stempelstelle der Harzer Wandernadel lassen wir ob der leichten Ermüdungserscheinungen links liegen. Liegen ist auch das Stichwort zu unserem Stempelbuch. Es befindet sich warm und trocken zu Hause im Schrank.
Das ficht uns aber nicht an, haben wir so einen plausiblen Grund hier noch einmal recht zeitnah lang zu wandern.
Nach ca. 4,5 h kommen wir mit leichten Wanderwaden, durchschwitzten Pullis und einem breiten Grinsen im Gesicht am Parkplatz an.
Für die Statistiker: Anstieg ca. 450 m, Abstieg ca. 450 m, 11,6 km haben wir zurückgelegt.
Hier die Strecke graphisch dargestellt:
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