Sonntag, 28. Juli 2019

Motorradfahren in Schottland - Dufftown und Umgebung

Duffton - The Malt Whisky Capital, so steht es zur Begrüßung an dem Ortschild. Rom wurde auf sieben Hügel erbaut, Dufftown steht auf sieben Brennblasen.

Das scheint für den kleinen, weniger als 2000 Menschen fassenden, Ort sehr verwegen. Jedoch finden sich in der näheren Umgebung in der Tat sieben Destillerien sowie eine Cooperage (Fassherstellung).

Zu den bekanntesten Whiskys zählen der Singleton of Dufftown, Belvanie sowie Glenfiddich.

Dufftown

Meine bessere Hälfte und ich waren sofort in diesen schönen Ort verliebt. Es lohnt sich hier mehrere Tage zu verweilen. Wir übernachteten im Tannochbrae, ein liebevoll eingerichteten Hotel, mit geschützten Parkplätzen auf dem Hinterhof für unsere Motorräder.
Die herzlichen Gastgeber geben einem auch sehr gute Tipps für Ausflüge in die nähere Umgebung. Sonst hätten wir bestimmt nichts vom hervorragenden Whiskyeis in Stonehaven erfahren. Dieser Ort liegt quasi auf dem Weg zu dem obligatorischen Ziel Dunnator Castle.

Das Hotel ist auch ein excelentes Restaurant. So ein unvergesslicher Abend startet in der Whisky Bar, wo eine auswahl an ca. 350 Scotish Whiskys auf einen wartet und endet mit einem kulinarischen Highlight wie z.B. Fasanenbrust. Ich will nicht verschweigen, dass dieser Spaß nichts für Low budget Reisen ist. Für so einen Luxusabend muß man schon umgerechnet 60 € pro Person rechnen. Es lohnt sich aber jeder/jedes Euro/Pfund.

Von Dufftown haben wir auch einen Ausflug zu dem Newburgh Seal Beach gemacht. Nach einem kurzen Fußweg vom kostenlosen Abstellort unserer Mopeds, ist man an einem Stand mit Seehund-Garantie. Ziemlich cool, die Tiere hier rumlungern oder schwimmen zu sehen.

Seehunde

Von dem Hotel ist auch fussläufig die Destillerie im Tal des Hirschen, so lautet die Übersetzung von Glenfiddich, zu erreichen. Eine Führung zu buchen lohnt sich definitiv. Wir haben die Solera Deconstruction Tour gebucht und unseren eigenen Solera gebastelt. Es empfiehlt sich, hier ohne Fahrzeug her zu kommen, allein der Angel Share, welcher durch die Lagerhallen wabbert, hätte meine Fahrtüchtigkeit schon beeinträchtigt. Prädikat: Extrem lohnend!

Glenfiddich

Leider hat unsere Zeit auch nicht mehr für eine kleine Wanderung zum giants-chair gereicht. Diese wurde uns von unserem Gastgebern empfohlen. Das steht noch auf der ToDo-Liste.
Wenn man schon mal das ist, kann man auch dem  Belvanie Castle einen Besuch abstatten. Einen Umweg wären wir dafür aber wohl nicht gefahren.

Belvanie Castle

Das Schöne an Dufftown ist auch der Weg dorthin. 

Die Grampian Mountains mit dem Cairgorms National Park sind nicht wirklich ein Geheim-Tipp. Umso überraschter waren wir, wie wenig auf der "Old Military Road" los war.

Eine super Straße mit hohem Suchtpotential und kleinem Achterbahnfeeling. Auf anderen Wegen gab es schon mal mehr den einen oder anderen "pothole".
Hinter Braemar ist die Straße B 976 zu empfehlen. Allein diese Straße ist schon einen Besuch wert. Sehr tolle Aussicht mit einer schönen Single Track Road.

B976

Anschließend folgt man weiter der A 939 "Old Military Road" und passiert somit ein weiteres Skigebiet. So mäandert man bis nach Dufftown.

Für uns zählt das Gebiet zu den absoluten Highlights in Schottland.

Freitag, 26. April 2019

Motorrad fahren in Schottland - Tipps zwischen Newcastle und Edinburgh

Bevor man in Schottland Motorrad fahren kann, muss man erst einmal dahin.
Klingt banal, ist es auch.


Wir hatten das Vereinigte Königreich über Newcastle upon Tyne erreicht. Unser nächster Stopp war in Edinburgh geplant. Einfach die A 68 oder A 1 folgen, um dort hin zu kommen, erschien uns als zu langweilig. 
Also versuchten wir die Anfahrt spannender zu gestalten. Hier sind unserer Highlights auf dem Weg dorthin.

Bamburgh Castle / Holy Island Lindisfarne


Als Sympathisant der Bücher von Bernard Cornwell und seiner "Uhtred-Saga" (gibt es auch auf Netflix "The Last Kingdom") bot es sich an, der Bamburgh eine kurze Visite abzustatten. Diese Burg war mal im 6-7. Jahrhundert Hauptsitz des Königreiches Bernicia und später von Northumbria, dem heutigen Northumberland. Also ein geschichtsträchtiger Ort, welchen wir uns zumindest von außen einmal anschauen wollten. Wie die Burg dort auf der Anhöhe thront ist schon schick anzusehen. Natürlich kann die Burg auch besichtigt werden. Näheres findet ihr hier.




Da wir auf kleinsten Straßen weiter wollen und mit unseren Packtaschen nicht so die Muße hatten, beließen wir es bei einem schnellen Blick, bevor wir der Holy Island of Lindisfarne einen Besuch abstatten. 

Hier machte sich mangelnde Vorbereitung meinerseits bemerkbar. Der Name Insel legt den Verdacht rech nahe, das Ding liegt im Meer. Dort, wo 664-676 der spätere Heilige Cuthberg Abt in dem gleichnamigen Kloster war und im Jahre 793 räuberische Wikinger dieses fast vollständig zerstörten, führt keine Brücke und keine Fähre hin. Diesen umstand hatte ich in Maps etwas anders gedeutet, aber das Glück war uns hold und wir hatten Ebbe.

Das macht für mich auch den Reiz dieser Strecke aus. Wann kann man sonst sogar mit einem Sporttourer durch das Meer fahren. Für Kulturbefliessene gibt es auch ein Museum. Für einen Besuch sollte man Folgendes machen a: Zeit einplanen und b: den Tidekalender berücksichtigen. Da wir beides nicht gemacht hatten, müssen wir den Besuch dort nachholen.





Lammermuir Hills / Laterne Rouge


Südlich der Region Lothian liegt eine Hügelkette, welche eine sehr schöne Einstimmung auf die schottischen Highlands sind.
Der Name leitet sich wohl vom englischen "lambs moor" ab. Bei der Anzahl der vielen Schafe, die hier rumlungern, passt es sehr gut.
Es macht einfach nur Spaß, die Single track road lang zu bummeln.
Nach den schönen Hills erreicht man den kleinen Ort Gifford. Hier wartet ein weiteres Highlight.
Das Teehaus/Cafe Laterne Rouge ist ein echtes Juwel. Zweiräder (eher Fahrräder, daher auch der Name ;) ) sind dort herzlich Willkommen.
Lecker Gebäck und Heißgetränke werden in einem schnuckeligen 60er Jahre Ambiente serviert. Einfach nur "Lovely"
Adresse: Laterne Rouge, 1 Main St, Gifford, Haddington EH41 4QH, Vereinigtes Königreich







Hier ein kleines Video zu der Tour. Viel Spaß!






Samstag, 20. April 2019

Motorradfahrern in Schottland - Prolog

In Zeiten von Instagram und Youtube kann die Realität nur halb so schön sein wie die Hochglanzbilder, welche im Internet präsentiert werden. In diversen Foren und Filmen hypt Schottland und an Touren-Empfehlungen mangelt es nicht.
Wir sind auch diversen Tipps aus dem Netz gefolgt. Manches entpuppte sich als grandios. Mitunter stellten wir für uns selber fest, dass dies nicht unsere Highlights sind.
Gerade auch auf Instagram wird die Insel Skye in den schönsten Farben und so überstylisiert dargestellt, dass man real vor Ort nur schmunzeln kann, wie die Bildbearbeitung und das perfekte Arragement funktioniert.
Ein gutes Beispiel dafür ist der Abstecher zum Wasserfall bei Kilt Rock auf der Insel Skye. Wenn man diese Sehenswürdigkeit in der Suchmaschine eingibt, landet man auf diversen Seiten, wo dieser Wasserfall als Top-Ten-Spektakel gilt.
Eine grandiose Strecke vorbei am Old Man of Storre in einer menschenleeren Gegend, welcher mit einem Besuch des Kilt Rock Wasserfalles komplettiert wird. So liest es sich in der Beschreibung zu diesem Ort.

Wir sind dort an einem Nachmittag im Wonnemonat Mai von Portree aus hingefahren. Die Landschaft an sich ist wirklich atemberaubend, jedoch die vielen anderen Menschen, welche auch die Einsamkeit der Insel Skye suchen und hier wild in der Gegend wuseln und längs der Straße laufen, machen das Fahren etwas nervig. So tingeln wir langsam zu dem Kilt Rock.

 Zwei Reisebusse zwängten sich bereits auf dem kleinen Parkplatz. Bei dem Freestyle-Wolkenformationsparken konnte man seine Abenteuerlust freien Lauf lassen.
Auf dem Vorplatz des Besichtigungspunktes spielte ein Duddelsackspieler um die Gunst und das Geld der Anwesenden. Diese waren eigentlich nur damit beschäftigt, einen Platz an vorderster Front der Absperrung zu ergattern, um das ideale "klassische" Photo zu schießen.

Viepoint

Während ich mit meiner Sprint RS noch am Rangieren war, kam ein Berliner Motorradfahrer an und keilte mich erstmal gezielt ein. Mit einem selbstgefälligen Grinsen nahm er den Helm vom Kopf und zwang uns ein Gespräch auf. "Links oder Rechts" war die Frage, die er uns sofort stellte*. Wir verstanden nur Bahnhof und wollten auf unverfänglichen Smalltalk wechseln. Aber er ließ nicht locker und erzählte, wo er  hier schon überall war. Gedanken wie "steck dir doch den Finger in den Po" schossen mir allmählich durch den Kopf, aber darauf hätte er wahrscheinlich auch nur mit "war ich schon" geantwortet. Seinen Kompagnons waren wir relativ egal, sie wollten anscheinend nur den Besuchspunkt abhaken. Der Berliner hatte aber sein Kontingent an Worten noch nicht verbraucht und lies seiner Profillierungsneurose freien Lauf.......

In einem günstigen Moment stürzten wir Hals über Kopf am Duddelsackspieler vorbei und schauten an der Reihe der Photographier-Willigen längs den Wasserfall an und beschlossen, das Weite zu suchen.

Wie wir am nächsten Tag feststellten, ist es um 8:30 Uhr nur unwesentlich anders. Real vor Ort ist der Wasserfall ganz nett, aber vom Hocker hat er uns nicht gerissen und auch eine Flucht zu dem Quiraing Viewpoint war, ob der vielen anderen Touristen, welche den gesammten Berg in Beschlag genommen hatten, eher ernüchternd als wirklich schön.
Da waren andere Stellen, welche wir eher durch Zufall gefunden haben, dagegen wahre Perlen. Über die werde ich in den nächsten Wochen lose berichten. Von den klassischen Highlights gibt es schon genug Material im www.

* Nach kleiner Recherche ergab sich folgende Erkenntnis: Links oder rechts bezog sich auf die North Coast 500 kurz NC 500. Das ist eine Ferienstraße, welche zumindest 2018 sehr stark touristisch vermarktet wurde. Es herrscht eine rege Diskussion in verschiedenen Foren darüber, ob man sie mit dem Uhrzeigersinn oder entgegen fahren sollte. 

Dienstag, 26. Februar 2019

Klippentour um das Okertal

Getreu dem Motto meiner besseren Hälfte, alles unter 10 km ist ein Spaziergang, hatte ich für den Februar eine ca. 12 km Wander-Strecke rausgesucht.
Da der Februar immer etwas unsicher bezüglich des Wetters ist, wollten wir es auch nicht übertreiben und zum anderen sind wir Anfang des Jahres meist noch nicht in Bestform.
Ausgangspunkt ist der Parkplatz neben dem Romkerhaller Wasserfall. Es ist am heutigen Montag morgen noch recht frostig und so sind wir doch froh unsere Winterjacken an zu haben.
Schräg gegenüber dem Parkplatz liegt ein Gastronomiebetrieb, welcher werbewirksam irgendwas mit Königreich auf seiner Fassade gepinselt hat. Uns steht aber nicht der Sinn zum einkehren und so nehmen wir links neben dem Wasserfall den Einstieg in die Wanderroute.
Recht steil kraxelt man den schmalen Pfad entlang um kurz danach oberhalb des Wasserfalles zu stehen.
Von der Sonne beschienen und ob der mehr als 60 Höhenmeter wandert der Reißverschluss der Jacke langsam nach unten. Die Sonne hat doch schon viel Kraft. Im Schatten ist es aber noch recht kühl und das ein oder andere Schneefeld ist auch noch zu sehen.



Der Romkerhaller Wasserfall ist der höchste Kunstwasserfall im Harz. So um 1863 hat man Teile der kleinen Romke über die felsige Flanke des Okertals geleitet um so eine weitere Attraktion neben dem zur gleichen Zeit gebauten Gastronomiebetrieb zu haben. Irgendwie etwas Beschiss, aber zumindest einer, der hübsch anzusehen ist.

Benannt ist der Fluss nach dem Gipfel Kleiner Romke, an dem er entspringt.
Den namensgebenden Berg links liegen lassend geht es weiter recht kräftig aufwärts zu der Feigenbaumklippe. Spätestens nach diesem Weg zeigt das Deo erste Ermüdungserscheinungen und wir selber verfluchen jeden Schokoriegel, der sich über Weihnachten um die Bauchgegend geschlichen hat. Aber wir können zumindest sagen, auch heute wirkt die Schwerkraft.




Die Feigenbaumklippe ist über einen felsigen Aufstieg oder einer leichten Passage erreichbar. Da wir noch ausgeruht sind, wollen wir die Klippen umrunden.
Da die anspruchsvollere Route im Schatten der Klippe liegt, haben wir mit etwas Eis zu kämpfen. Den einen oder anderen unschmeichelhaften Tiernamen höre ich aus dem Hintergrund den Mund meiner Frau verlassen. Aber bevor die Tiere richtig groß werden, können wir wieder sicheres Terrain  betreten. Die Klippen sind definitiv das erste Highlight. Über einen schmalen Steg erreichen wir die Aussichtskanzel. Bei +14 °C im Sonnenschein und dieser grandiosen Aussicht kann es einem wahrlich schlechter gehen.

 

Den sanften Weg herunter gehend kommt nun die "Mausefalle". Hilti Dübel, Patex, Dopellseitiges Klebeband oder Gewohnheit, irgendwas wird das Ding schon zusammenhalten. Spannend ist auch, dass dieser Felsen ein offizieller Kletterfelsen des Deutschen Alpenvereins ist. Die Gesteinsform kommt durch die Wollsackverwitterung zustande, welche im Harz häufiger anzutreffen ist.
Dort herumkraxeln ist nichts für mich und so genieße ich einfach nur den Anblick und knipse mit der Kamera ein wenig herum.




Nun geht es weiter an der Habichtsklippe vorbei zur Hexenküche, welche ich ob des spektakulären Namens  etwas unspektakulär empfinde. Was diese Felsformation mit einer Küche zu tun hat erschließt sich mir nicht. Aber vielleicht fehlt mir auch nur etwas Fantasie.
Von dort kann man aber einen kleinen Abstecher zum Mönch machen. Die wenigen hundert Meter lohnen sich definitiv. Das sanfte Licht der Februar-Sonne zaubert wunderbare Lichtspiele in dem Wald. Ein kleiner Sturmschaden an einer Überlandleitung zeigt aber recht deutlich, der Harz kann auch anders. Bei Unwetter möchte ich hier nicht umherstapfen.



Nach kurzer Strecke kommt man dann zum Kästehaus, eine Gaststätte die seit Mitte 2018 leider außer Betrieb ist. Ob und wann sie wieder öffnet, steht wohl nicht fest. Sehr schade, da der Ort zum Verweilen einlädt. Dieser Ort hat sogar eine Bushaltestelle welche hier oben doch etwas kurios wirkt

Dieser Punkt markiert auch die höchste Stelle unserer Wanderung. Wir hatten unheimliches Glück von dort einen Blick auf den ca. 12 km Luftlinie entfernten Brocken zu erhaschen. Statistisch gesehen liegt der Brocken um die 300 Tage im Jahr in Nebel. Heute aber mal nicht. Zeit das Teleobjektiv heraus zu holen um später festzustellen, dass ich es hätte putzen müssen. Das kommt auf die ToDo Liste für die nächste Schlecht-Wetterperiode.



So wanderten wir langsam abwärts und passierten inflationär diverse Steinhaufen mit abenteuerlichen Namen wie Teufelsklippen, Studentenklippen und Ziegenrücken um nur einige zu nennen. Es stellt sich aber trotzdem noch keine Klippenmüdigkeit ein und jede noch so kleine Steinformation wird von mir, sehr zum Leidwesen meiner besseren Hälfte, fototechnisch gewürdigt. Zwischenzeitig kommen wir auch an Stellen vorbei, die aussehen als hätten hier Holzfällerwettbewerbe stattgefunden oder in Anspielung von "Der Herr der Ringe" die Horden Isengards gewütet.




Je tiefer wir kommen desto kühler wird es mitunter. Also wandert der Reißverschluß langsam wieder nach oben. Für Anfang Februar ist es aber erstaunlich mild. Spannend ist der schlagartige Wechsel zwischen warmen und kühleren Luftschichten, welche uns wie Wellen umfangen.
Immer weiter abwärts mäandernd kommen wir irgendwann an der B498 an. Dort interpretieren wir die Wanderschilder etwas falsch und können auf dem Garmin den Weg auch nicht so recht erkennen. So gehen wir etwas parallel an der Bundesstraße entlang.
Rechts lang um das eine Gebäude herum wäre der richtige und sicherlich auch schönere Weg gewesen. Das stellten wir aber auch erst später fest.
Egal,  so finden wir 400 m weiter den Einstieg in das Okertal. Hier haben Steine wieder die Oberhand. Man hat aber auch einen guten Blick auf  Teile des UNESCO-Welterbes Oberharzer Wasserwirtschaft, im speziellen dem Oker Aquädukt. Zusammen mit der malerischen Adlerklippe ist es in der Tat beeindruckend.
Warum man allerdings irgendein Adlerimitat auf den Felsen der Klippe gepappt hat, erschließt sich uns nicht wirklich. Das hat bestimmt irgendwas mit Marketing zu tun. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden und so ignorieren wir das Ding einfach.



Auf- und abwärts wandern wir weiter durch das schöne Okertal. Erst jetzt stellt sich auch bei mir eine gewisse "Steinmüdigkeit" ein. Auch sehen wir nun andere Wanderer. Oben auf dem Berg hatten wir die Gegend noch für uns allein.
So ganz überraschend ist das aber für einen Montag Vormittag nicht.
Wir kommen an der Marienwand vorbei. Einen weiteren ausgewiesenen Kletterfelsen. Dieser ist nicht ganz unkritisch, sind dort bereits mehrere Bergsteiger*innen abgestürzt.
Heute war auch ein Kletterer an der Wand, wünschen wir ihm viel Spaß und das alles gut geht.




Die Verlobungsinsel mit der Stempelstelle der Harzer Wandernadel lassen wir ob der leichten Ermüdungserscheinungen links liegen. Liegen ist auch das Stichwort zu unserem Stempelbuch. Es befindet sich warm und trocken zu Hause im Schrank.
Das ficht uns aber nicht an, haben wir so einen plausiblen Grund hier noch einmal recht zeitnah lang zu wandern.
Nach ca. 4,5 h kommen wir mit leichten Wanderwaden, durchschwitzten Pullis und einem breiten Grinsen im Gesicht am Parkplatz an.

Für die Statistiker: Anstieg ca. 450 m, Abstieg ca. 450 m, 11,6 km haben wir zurückgelegt.
Hier die Strecke graphisch dargestellt:

Sonntag, 27. Januar 2019

Schottland - Intro

Ein Land voller Mythen und einer bewegten Vergangenheit. Raue Natur und karge Landschaften mit verfallenen Burgen bei permanenten Regen, so stellte ich mir Schottland vor. Als Motorradreiseland hatte ich es überhaupt nicht in Betracht gezogen.
Es war gefühlt auch einfach zu weit weg.

Bis eines Tages bei der abonnierten Motorrad Zeitung eine DVD "Abenteuer Nordamerika" von Motorradreisender Erik Peters mit im Briefkasten lag. Diese hat mich so überzeugt, dass ich mir auch die anderen Blue-Rays dieses Motorradreisenden kaufte. - unter anderem "Highlands & Islands". Damit wurden meine Partnerin und ich mit dem Schottland-Virus befallen.
Dieser Film ist so liebevoll arrangiert, informativ, hat sehr tolle Streckenempfehlungen und ist mit unzähligen praktischen Tipps versehen, so dass meine Frau und mir klar war - da müssen wir auch hin. Meine bessere Hälfte und ich sind nun nach unseren Motorradurlauben dort 2017 und 2018 schwer in Schottland verliebt. Deshalb: Vielen Dank Erik Peters!

Schottland ist aus Nordwestdeutschland leichter zu erreichen als die Seealpen oder Norwegen. In bummeligen 3,5 h ist man von Oldenburg am Hafen von Ijmuiden angekommen, von wo aus eine DFDS Fähre nach Newcastle Upon Tyne fährt.
Nachmittags gegen 17 Uhr legt die Fähre ab und am nächsten Morgen gegen 9 Uhr Ortszeit ist man in Newcastle. Kostenpunkt für 2 Personen und 2 Motorräder in der Woche für die hin und Rückfahrt mit einer Aussenkabine lag Mai 2018 bei ungefähr 500 €. Wenn die Fähre über den ADAC gebucht wird, gibt es auch noch einen Rabatt.
Wenn man noch etwas weiter Richtung Rotterdam möchte kann man auch die Fähre nach Hull nehmen. Je nach belieben.

Leider hat der BREXIT die Urlaubsplanung für 2019 etwas unsicher gemacht, so dass wir erstmal abwarten, ob und wie die Einigung zwischen der EU und GB aussieht. Geplant ist 2020 dieser schönen Gegend wieder einen Besuch abzustatten.
Hier allgemeine Informationen:

Fähre:
Frühes Erscheinen sichert nicht unbedingt die besten Plätze. 2017 waren wir aufgrund von Vorfreude und Aufregung sehr früh dort und mit als erster auf der Fähre. Auf Seitengängensackgassen hatten wir die Motorräder abstellen dürfen. Eher unschön, da wir in Newcastle Rückwärts daraus rollen mussten.
Unschön
Aber den Fehler machten wir nur einmal. Danach fuhren wir im gepflegten Mittelfed auf die Fähre, man muss auch manchmal anderen den Vortritt lassen.
Das Sichern der Moppeds ist recht unproblematisch. Spanngurte wurden in ausreichender Zahl gestellt. Wenn man Sorge um den Lack hat, empfiehlt es sich alte Handtücher mitzunehmen. Um nicht das gesamte Geraffel mit schleppen zu müssen haben wir eine kleine Tasche mit dem Notwendigsten gepackt, so dass die Packtaschen am Moped blieben.
Sicher

Sprache:
Mit unserem Schulenglisch/Fachenglisch sind wir sehr gut klar gekommen. Lediglich beim Tanken in Newcastle dachten wir vorübergehend, dass wir verhungern müssten, da wir den jungen Mann an der Kasse nur zu ungefähr 5 % verstanden haben. In Schottland selber sind die Menschen so überaus freundlich sich sprachlich anzupassen, so dass die Verständigung sehr flüssig verläuft.

Verkehr:
Das Fahren in Schottland ist einfach nur tiefenentspannt. Der Linksverkehr stellte sich als unproblematisch heraus. Lediglich auf Parkplätzen stellte sich gelegentlich der Rechtsfahrautomatismus ein. Nach 3 Wochen allerdings muss man sich wieder auf das europäische Festland umstellen, da Rechtsfahren einem plötzlich komisch vorkommt. Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen sind 60 mph und in Ortschaften 30 mph. Da das Motorrad meiner besseren Hälfte einen nativen Meilentacho besitzt und meine damalige gelbe Hummel einen umstellbaren Digitaltacho hat, stellte mph keine Probleme dar.
Typisch sind gerade in ländlichen Gegenden Single Tracks Roads mit Passing Places. Gegenseitige Rücksicht ist dort besonders wichtig. Durch Unachtsamkeit wurde es hier manchmal etwas eng. Ansonsten kann man recht entspannt dort lang rollen. Das Wort "Potthole" --> Schlagloch lernt man auch recht fix.

Essen:
Kulinarisch wird Schottland unterschätzt. Haggis ist zwar nicht Jedermans Geschmack (Andrea und ich mögen es), die Küche bietet aber auch für jeden etwas. Egal ob Vegetarisch, Glutenfrei, Lactosefrei etc .... Die Deklaration in den Supermärkten gefiel mir sogar besser als in Deutschland. Egal ob im Imbiss, Restaurant oder Supermarkt, leckere Sachen waren immer zu finden. Von dem deftig kräftig full Scottish Breakfast sind wir auch voll begeistert.

Wetter:
Wir waren im Mai unterwegs, welcher Monat statistisch gesehen als regenarm gilt. In Oldenburg (Oldg) wohnhaft, stellt man eh wettertechnisch keine allzu großen Ansprüche. 2017 hatte wir in Schottland die trockenste Zeit des Jahres gehabt.

Freitag, 28. Dezember 2018

Kettenöler

So gerne ich Motorrad fahre, so ungern pflege ich die Kette. Das "normale" Kettenfett hat mir eine zu gute Haftung bezüglich Dreck und stellt in meinen Augen immer ein Kompromiss bezüglich Schmierwirkung und Hafteigenschaften dar. Die abrasive Wirkung des Drecks ist Gift jedes O-Ringes und das Reinigen einer solch versifften Kette ist für mich eine Strafe.
Gerade bei O-Ringketten, X-Ringketten etc. müssen die rheologischen Eigenschaften des Schmiermittels schon passen, um durch die Kapillarität und Dynamik zwischen die Rollen zu kommen. Wie das mit dem zähen Kettenpflegeproduken gelingen soll, ist mir ein Rätsel. Vielleicht schützen sie durch einen Film auch nur das permanentfett vor Auswaschungen, welches sich zwischen den Gummiringen befindet. Letztendlich kann ich aber darüber nur spekulieren und habe eine für mich akzeptable Lösung gesucht.

Anmerkung: Die folgenden Zeilen können als Werbung gewertet werden. Ich bin persönlich überzeugt vom dem System und möchte hier nur meine persönliche Erfahrung wieder geben.

2015 habe ich mir für meine Sprint RS einen automatischen Kettenöler zugelegt, um die Pflegemaßnahmen auf ein Minimum zu beschränken. Kettenölsysteme gibt es von verschiedenen Herstellern. Meist kommen zwei Varianten zum Einsatz. Unterdruckgesteuerte, welche mit dem Unterdruck des Ansaugtraktes ein Ventil betätigen und somit einen Weg des Öls freigeben. Das zweite System ist ein elektronisches mit einer Mikropumpe, welche von einen Steuergerät einen Impuls bekommt und somit einen Öltropfen fördert. Die Ausführungen sind sowohl mit einer Kanüle als auch mit beidseitigen Kanülen am Kettenrad erhältlich. Nach theoretischer Betrachtung sollte eine Kanüle reichen, da das Kettenöl sich radial über das Kettenrad zur Rolle hin bewegt und von dort sich auf beide Seiten verteilt. Zumindest klappt das bei meinen Motorrädern recht gut. Der Aufwand für ein duales Tropfsystem für beide Seiten des Kettenrades erschien mir zu hoch bzw. wurde für meine Motorräder auch nicht unterstützt.
Die RS BJ 2000 hat eine Benzineinspritzung ohne nennenswerte Vakuumschläuche. Nur das Standgas-Luftsystem hatte einen "Angriffspunkt" zu bieten gehabt. Alternativ hätte ich ein Loch in den Ansaugtrakt Bohren oder die Drosselklappensynchronisationsöffnung nehmen können. Da ich weder zum einen noch zum anderen große Motivation hatte, entschied ich mich für ein elektronischen System eines schottischen Herstellers.
Nachteil der Pumpenvariante ist definitiv der Kostenfaktor. Man muss allerdings festhalten, aus wirtschaftlichen Gründen lohnt sich ein Kettenöler fast nie. Die Anschaffung- und Unterhaltskosten gegen gerechnet zu der durchschnittlichen Fahrleistung in Deutschland lassen einen schnell zu diesem Punkt kommen. Wenn man den Kettensatzwechsel nicht selber vornimmt, kann die Rechnung allerdings auch etwas anders ausfallen.
In Anbetracht der vielen Bullenfänger, Zubehörteile zum Verschönern des Motorrades und Customizing Objekten auf dem Motorradzubehörmarkt fällt der Kettenöler kostentechnisch allerdings auch nicht so ins Gewicht. Jede(r) muss halt für sich entscheiden, wofür sie/er Geld ausgibt.

Bei mir ist es schlicht die Bequemlichkeit bei der Kettenpflege und ein hübsches "Mäusekino" am Cockpit was mich dazu bewogen hat, so ein e-System zu nehmen. Eine Gutscheinaktion machte das System auch noch günstiger und so schlug ich zu.
Selbst für mein nicht so häufiges Motorrad gab es eine dedizierte Anleitung,  welche von der Hersteller-Homepage heruntergeladen werden kann. Der Lieferumfang umfasst neben Kurzanleitung, Displayeinheit und Reservoir-Einheit mit Pumpe (REP) auch Klebepads, Kabelbinder etc. Also  im Grunde genommen ein Rundum-Sorglospaket.  Meine zusätzlich besorgten Kabelbinder waren überflüssig.

Anleitung

Als Vorarbeit sollte die Kette gereinigt sein. Ist sie das nicht, so perlt das Öl am alten Kettenfett ungenutzt ab und die Schmierwirkung ist nicht nachweisbar. Das hat ein Freund für euch getestet.
Durch die Pumpe kann das REP fast liegend unterm Sitz angebracht werden. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass ein leichter Ölfilm sich dann dort bemerkbar macht. Das Öl hat halt bemerkenswerte Fließeigenschaften.
Von dort legt man einen Schlauch hin zum Kettenrad. Die Halterung für die Austrittskanüle wird bei vielen Motorrädern an der Achse befestigt. Diese Variante gefiel mir nur mäßig. Vorteil ist, beim Kettenspannen bleibt die Position fast gleich. Nachteil, beim Festziehen der Mutter kann das Ding sich verdrehen. Die Steckachse zu drehen, machte aufgrund des Vierkantes auf der anderen Seite auch keinen Sinn.

Sprint

Schöner ist es bei meiner Tiger gelöst. Dort wird es an einer Bohrung für einen Montageständer befestigt. Das dafür benötigte Halteblech ist zwar nicht im Lieferumfang dabei, wird aber von Scottoiler bei einem neu gekauften System auf Wunsch kostenfrei zugesandt. Nachteil ist, beim Kettenspannen geht das lustige Biegen los. Aber irgendwas ist ja immer.
Die Klebepads halten auf dem glatten Alu wirklich sehr gut, zusätzliche Kabelbinder sind nicht notwendig und flogen bei mir aus optischen Gründen recht schnell wieder runter. Bei der Tiger sind Klebepads nicht notwendig, hier konnte ich den Schlauch in der Hohlschwinge verlegen. Das war kein Geistesblitz von mir, sondern stand so schon recht anschaulich in der Anleitung von Scottoiler dabei.

Tiger

Das Anbringen der Displayeinheit und das Verlegen des dazugehörigen Kabels stellen keine allzu große Herausforderung dar. Jede/Jeder mit Erfahrung im Verlegen von Tannenbaumleuchten wird nur müde über diese Aufgabe lächeln.

Tiger

Die Displayeinheit mit dem REP verbinden und dann an die Batterie anschließen...schon ist die Installation hardwaremäßig erledigt.
Das mitgelieferte Öl einfüllen und anschließend entlüften.  Dieser Vorgang kann schon einiges an Zeit in Anspruch nehmen, da die Wege des Öls doch recht verwunden sein können.
Das Einstellen der Tropfrate und die Empfindlichkeit des Systems dauert diverse Testfahrten. Die Tropfrate wird etwas eigentümlich im Sekunden/Tropfen angegeben, z.B. 90 bedeutet, dass zwischen den einzelnen Tropfen 90 Sekunden liegen. Etwas irreführend, aber man kann sich daran gewöhnen. Die Steuereinheit lässt sich so einstellen, dass sie im Stand allein ausgeht und erst bei ca. 50 km/h das ölen anfängt. Aktiviert wird das System über Beschleunigungssensoren,  welche im Setup auch "kalibriert" werden. Ein Anschließen an die Motorrad-Tachoelektronik ist nicht notwendig. Die Empfindlichkeit muss aber je nach Fahrzeug empirisch ermittelt werden.
Die Displayanzeige symbolisiert mit kleinen Icons den Zustand des Systems (Off/Standby/Pump), womit recht leicht eine Einstellung vorgenommen werden kann. Die Tropfrate ist abhängig von der Witterung und vom Motorrad. Eine Wissenschaft muss man aber auch nicht daraus machen. Glänzt das Heck des Motorrades wie eine Speckschwarte, war es zuviel, ist die Kette zu trocken, war es halt zu wenig.

Die Füllstandanzeiger ist ein berechneter Wert. Der Füllstand wird auf 100 % gesetzt und dann rechnet das System die Tropfen davon runter. Für Wasser durfte ich die durchschnittliche Tropfengröße während der Ausbildung bestimmen, 0,06 ml sind das. Für den gepulsten Tropfen dürfte der Wert eine ähnliche Größe haben. Viel Spaß  beim Nachrechnen :).

Bei der Standardvariante wird das "blaue" Öl mitgeliefert, welches bis 30 °C empfohlen wird. Bei höheren Umgebungstemperaturen soll ein "rotes" Öl für höhere Temperaturen genommen werden. Dieses ist etwas viskoser und fliegt somit nicht gleich wieder von der Kette (so der Hersteller)
In der erweiterten norddeutschen Tiefebene bin ich mit dem blaue Universalöl recht gut gefahren. In den entsprechenden Foren kann das für und wider der verschiedenen Öloptionen (auch Getriebeöl, Kettensägenöl etc.) nachgelesen werden.
Ich fuhr bislang mit dem "blauen" Originalöl recht gut und hatte bei längeren Touren (>2000 km) immer eine kleine Pulle zum Nachfüllen dabei. Nachfüllen muss  man aber erst wirklich jenseits der 3500 km. Zusatzbehälter, welche auch im Zubehör angeboten werden, habe ich nicht installiert.
Meine 3-jährige Erfahrung an drei verschiedenen Motorrädern mit dem System ist überwiegend positiv. Eine leichte Ölpatina macht sich zwar unter der Sitzbank bemerkbar. Ölflecken auf der Kombi lassen sich auch nicht ganz vermeiden. Das Öl ist allerdings wesentlich leichter zu entfernen als Kettenfett. Der Dreck der Kette fliegt nun halt auf das Rad und zum Heck des Motorrades.
Schmauchspuren gehören zum Alltag. Es ist halt ein Fahr- und kein Putzzeug.

Die Ausströmkanüle ist aus Kunststoff gefertigt und hält je nach Kettenrad mehr als 10 000 km.
Je nach Verschleiß kann sie mit einem scharfen Cutter nach geschnitten oder sollte ausgestaucht werden.

Allerdings musste ich feststellen, dass Hochdruckreiniger/ bzw. die Waschanlagen des "Freundlichen" welchen ich zur Aufrechterhaltung der Gewährleistung der Tiger besuchen musste, das Display beschädigt hatten (Wassereinbruch). Dieses ist von Scottoiler auf Gewährleistung/Kulanz ausgetauscht worden. Seitdem gab es keine Probleme. Von zukünftigen Waschungen beim Freundlichen nehme ich nun aber auch Abstand. Inspektion reicht, sauber ist nicht nötig. Dies war aber auch ein Einzelfall, ausgiebige Regentouren in Schottland und anschließende heimische Kärcherwaschungen haben den Systemen nichts anhaben können.
Bleibt festzuhalten, für eine Weltumrundung sind die Vakuumsystem wohl trotzdem etwas robuster, da weniger kaputt gehen kann. In meiner europäischen Komfortzone hat dieser Faktor aber keine wirkliche Relevanz.
Das Reinigen des Hinterrades ist mit einen Baumwolllappen sehr leicht. Lösemittel wie Bremsenreiniger oder aliphatische KWs benötigt man nicht.
Nur nach längeren Regenfahrten wische ich die Kette mit einem Baumwolltuch kurz trocken. Wenige Tropfen Kettenöl mit einem Einweghandschuhe verteilt, fertig ist die Pflege.
Mit diesem minimalistischen Aufwand kann ich sehr gut leben.
Somit kann ich Kettenöler aus pflegetechnischer Sicht nur uneingeschränkt empfehlen. Für was für ein System man sich entscheidet, muss jeder für sich selbst sehen, je nachdem, was der Geldbeutel hergibt.
Denn wie der Volksmund sagt: die Summe aller Übel ist konstant. Die Frage ist, welche stören einem am wenigsten.

Sonntag, 23. Dezember 2018

John Doe und der DB-Eater


Es gibt im Leben Momente da fühlt man sich im falschen Film. 
Man denkt, es ist die fabelhafte Welt der Amélie und plötzlich kommen die sieben Zwerge vorbei marschiert.

In diesem Fall waren es drei Motorradfahrer, die meine bessere Hälfte und mich aus unseren heilen Traumwelt heraus rissen.

Wir waren gerade in den schottischen Granpian Mountains unterwegs, als ein Regenschauer und Kraftstoffmangel uns an einer Tankstelle anhalten ließ.

Nachdem der Hunger der Möffs gestillt war, frischten wir unserem Koffeeinspiegel auf und sinnierten mit innerer Zufriedenheit still vor uns hin, als besagte Motorradfahrer auftraten.
Es waren drei junge Männer, welche auf dem Rückweg ihrer Rundfahrt Richtung Fähre waren. Schnell kam man mit einem von Ihnen ins Gespräch. Dieser eine pulte verträumt vermeintlichen Sahara Staub aus seiner Enduro und erzählte uns von seiner Reise. Ein Anderer glänzte durch Unauffälligkeit. Wahrscheinlich wollte er sich nicht mit "Warnwestenträger" unterhalten bzw. noch schlimmer, gesehen werden wie er sich mit "Warnwestenträgern" unterhielt.

Dann gab es noch den dritten. Nennen wir Ihnen John Doe. John war damit beschäftigt, aufgeregt durch die Gegend zu laufen und in der Werkstatt einen Innensechskant aufzutreiben.
Warum er einen benötigte, machte er auch mit hektischer Betriebsamkeit kund. Er wollte seinen DB Eater aus dem Endschalldämpfer schrauben. Es ging wieder in die Zivilisation also möchte er auch angemessen durch die Cities rollen um wen auch immer zu beeindrucken.
Der schottische Service Mechaniker schaute auch etwas ratlos ob der Motivation, da aber jeder für sein Unglück selber zuständig ist, rückter er einen Inbus heraus.
Das allein war schon etwas scarry, getoppt wurde es aber durch das Motorrad selbst, welches John fuhr. Eine Honda NC 750.
Sicherlich ein praktisches Motorrad, zuverlässig, günstig, gutmütig, tolle Fahreigenschaften aber mit Verlaub so sexy wie Frottee Feinripp Unterwäsche mit Eingriff.

Diese Kleidung ist bestimmt auch überaus praktisch aber keiner würde auf die Idee kommen dort "Sexy Boy" drauf zu drucken oder Tigermusterapplikationen.
Es gibt viele Arten, sich zum Honk zu machen (z.B. Warnwesten tragen), aber das ist schon eine sehr schräge Art.

So staunten wir auch nicht schlecht als die Gang sich von der Tanke trollte mit einer, um die methapher weiter zu bemühen, nun laut knatterneden Feinripp-Unnerbüx

Nun standen wir ratlos dort:

Was hat sich wohl der schottische Serviceschrauber gedacht?

Warum tut man sowas?

Gibt es irgendjemanden, welcher/welche bei einer lauten NC 750 Verzückung verspürt?

Gibt es irgendjemanden, welcher/welche überhaupt bei lauten Mopeds ein Glühen im Höschen bekommt?


Fragen über Fragen .......